Lissabon | Dez. 16

Nachdem die Regionalliga Bayern ihren Spielbetrieb schon eingestellt hatte, hieß es für uns Augen auf und versuchen, mal wieder ein paar internationale Grounds mitzunehmen. In den Blickwinkel hierfür fielen für das vorgesehene Wochenende nur zwei Partien, die uns reizvoll genug erschienen und wozu auch die nötige Lust vorhanden, war die durchaus damit verbundenen Strapazen auf sich zu nehmen. Cagliari – Napoli oder das Stadtderby in der portugiesischen Hauptstadt zwischen Benfica und Sporting Lissabon. Letztlich fiel die Wahl dann auch aus Bequemlichkeitsgründe auf Lissabon, da Flüge nach Cagliari nur mit langen Wartezeiten in Rom verbunden, verfügbar waren.

Kurzum: Flug und Hotel gebucht und schon standen wir am Terminal zum Abflug bereit. Die 3 Stunden Flugzeit vergingen dann trotz einiger Luftlöcher und Notlandungen recht schnell und somit konnten man sich als allererstes des guten Wetters erfreuen. Waren es hierzulande noch grausige -4 Grad gewesen so konnten wir uns unten über frühsommerliches Wetter erfreuen bei dem das Thermometer meistens etwas um die 20 Grad Marke anzeigte.

Gleich nach der Ankunft fuhren wir dann mit einem schwindligen Taxifahrer der versuchte uns erstmal geschmeidig über den Tisch zu ziehen und dafür auch noch Trinkgeld erhielt zu unserer Absteige. Ich denke mal, dass wir schon durchaus positiv überrascht waren in was für einem guten Hotel wir dort gelandet waren. Guter Service, schickes Ambiente und geile Girls hinterm Tresen (naja ok, eigentlich waren sie doch guad reudig).

Gleich stand also der erste geplante Stadionbesuch an. Der Club OS Belenenses ist zumindest mit seinem Stadion im Süd-Westen der Stadt beheimatet. Von unserem Hotel eine halbe Weltreise, allerdings dem Umstand geschuldet, dass man in völlig überfüllten Bussen, die nicht klimatisiert sind und auch noch mit südländischer Unpünktlichkeit fahren, durch die halbe Stadt irrt, um endlich zum gewünschten Ort zu gelangen. Dass sich der Ground aber auf jeden Fall lohnt ist spätestens mit Betreten des Stadions klar. Direkt am Meer gelegen mit Blick auf die „gefälschte“ Golden Gate Bridge und den „geklauten“ Jesus aus Rio, kann man hier unterirdischen Fußball sehen. Wenn man bedenkt, dass das heutige Spiel OS Belenenses gegen CS Maritimo ein 1. Liga-Spiel war, so kann man mit Sicherheit sagen, dass diese Teams wahrscheinlich bei uns nicht mal gestandene 3. Ligisten wären. Ich hab auch ehrlich gesagt keine Ahnung mehr wie das Spiel endete. Wenn wir nun über das Drumherum reden, hat das ganze natürlich einen gewisses Flair. Die Heimkurve auf der Gegengerade versuchte immer wieder sporadisch mit etwa 30 Leuten spielbezogen ein bisschen Stimmung ins leere Rund zu bringen. Die Gästefans hingegen waren mir irgendwie suspekt, da sie alle saßen und irgendwie nicht wirklich als Gäste zu erkennen waren. Die Atmosphäre im Stadion erinnerte mich irgendwie ein bisschen an den heimischen Sportpark, ab und an sehr gespenstisch und langweilig allerdings doch mit Potenzial, was aber nicht ausgeschöpft wurde. Ich muss ehrlich sagen, dass diese Stadion von beiden Stadionbesuchen in Lissabon mir persönlich mehr gegeben hat, auch wenn man sich nur gelangweilt auf der Tribüne sonnen konnte.

Am Abend erfreute man sich noch über die SPA-Landschaft im Hotel bei der wir, um den Pool benutzen zu dürfen, Badekappen tragen mussten die kurzer Hand zu Sturmhauben umfunktioniert wurden und ab diesem Zeitpunkt auch irgendwie kein anderer Badegast mehr den Pool benutzen wollte.

Tag 2.

Aufgestanden, gefrühstückt und geschaut wie wir an Karten für das Hauptspiel der Reise kommen sollten. So fuhren wir mit der Bahn zum Stadion, um dort über den offiziellen Schalter noch Karten für das Spiel zu kaufen. Dort angekommen hieß es, dass das Spiel ausverkauft sei und wir somit völlig umsonst hier gewesen wären. Dennoch Mittel und Wege gibt es immer, sich Karten für so ein Spiel zu beschaffen, nicht zuletzt unseriöse Schwarzmarkt-Seiten im Internet. Als wir dann über die besagten Anbieter unsere Karten geordert hatten, warteten wir auf unsere „E-Tickets“, die uns per Mail zugestellt werden sollten. Und wie soll es anders sein, es kam natürlich keine Mail. Oder etwa doch? Eine Mail komplett auf portugiesisch ereilte uns, als wir schon nicht mehr daran glaubten, in der ein Abholort für unsere Tickets stand.

Gegen 16 Uhr machten wir uns auf den Weg um die Tickets abzuholen. Sie lagen in einem Hotel irgendwo im Norden der Stadt (Campo Grande). Irgendwie waren wir froh, dass wir jetzt doch relativ unkompliziert an Tickets gekommen waren. Im Hotel selbst fragten wir an der Rezeption nach unseren Karten, da wir davon ausgingen, dass diese dort hinterlegt worden waren. Der Rezeptionist machte uns dann darauf aufmerksam, dass die Karten in Raum 105 im ersten Stock abzuholen seien. Also fuhren wir nach oben, um dort nun endlich die Tickets zu bekommen. Im Raum selber saßen dann eine Frau und weitere zwei Kerle. Der eine Kerl sah aus als hätte ihm gerade irgendwelche Leute alle Knochen gebrochen. Er saß mit blutverschmiertem Gesicht vor seinem Laptop. Neben ihm Geldscheine und ein riesiger Stapel von Tickets für das Derby. Kurzum, er hatte unsere Tickets nicht und somit wurden wir immer weiter vertröstet noch zu warten, da er versuchen würde, irgendwelche anderen Händler zu kontaktieren, um nach unseren Tickets zu fragen. Mit der Zeit füllte sich das kleine Hotelzimmer immer mehr, und Leute die sowohl kaufen wollten als auch Bekannte von dem Kerl am PC waren, kamen herein. Eine komische Atmosphäre war das, keiner unterhielt sich, und alle waren irgendwie angespannt und nervös. Nach langem Hin und Her wurde man dann gebeten, den Raum zu verlassen, was mir selber eigentlich auch ganz recht war. Einfach wie einem schlechten Film.

Wir fuhren zum Stadion um doch noch vor Ort eine Karte zu erhaschen. Was dann auch wunderbar klappte. Zwar waren wir pro Kopf 50 Flocken los, allerdings war uns das auch nach dem Tag völlig scheißegal. Der Ticketpreis war mit Tipp-Ex übermalt, als wir ihn wegmachten waren wir schon erstaunt dass die Karte im Oberrang neben dem Gästeblock mit guter Sicht aufs Spielfeld nur 15 Euro Normalpreis gekostet hätte.

Im Stadion selber dann gute Stimmung, allerdings muss ich sagen dass mich der Gästeblock von Sporting schon mehr faszinierte, da der Support einfach italienischer bzw. auch mehr Richtung unseren Vorstellungen vom Support ging. Auf Benfica Seite ging teilweise das ganze Stadion mit. Es war laut, aber geflasht hat es mich nicht. Drumherum war es mir auch wiedermal zu viel Event. Somit geht der Sieg auf den Rängen an diesem Abend klar an Sporting aus meiner Sicht. Sporting hatte auch irgendwie den motivierteren Haufen am Start. Als wir nach dem Spiel das Stadion verließen, warteten wir ,bis die Gästefans das Stadion verließen, da diese eine Blocksperre erhielten. Im Prinzip fehlte irgendwie trotzdem der nötige Hass, der so ein Derby ausmacht und prägt. Ein bisschen Gepöbel und anspucken gab es dann noch, aber alles in allem eher schmal. Da hatten wir uns doch ein wenig mehr erhofft.

Der Abend endete wiederum beim ein oder anderen Bier auf der Dachterrasse des Hotels.

 

Tag 3.

Kommen wir zum letzten Teil der Reise. Heute versuchten wir noch einige Sehenswürdigkeiten wie etwa die „Cristo Rei“ mitzunehmen. Mit dem Boot rüber auf die Halbinsel und einige Fotos gemacht sowie etwas gegessen. Danach noch ab ins Vereinsmuseum von Benfica, abermals am Stadion. Das Museum war ganz ordentlich aufgemacht, aber auch hierbei hatte man sich ein bisschen mehr erwartet. Einziger Höhepunkt war der Elfmeter-Simulator bei den der Torwart Bälle hält die klar drin waren.

Hiernach ging es dann für uns auch wieder zum Flughafen und ab in die Kälte.

Das Fazit der Reise ist, vor allem für mich, dass sich eine Reise in die Stadt Lissabon immer lohnt. Allerdings lässt sich vieles in 3 Tagen abklappern und somit braucht man auch vorerst nicht wiederkommen. Fußballtechnisch war es durchaus interessant, aber es gibt mit Sicherheit viele andere Stadien und Städte in denen man bei einem Derby mehr geboten bekommt.

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